Öwer de Koot un sin Lüüd




Wir Zwei aus Bayern haben das Anwesen 2005 erworben und unter teilweise abenteuerlichen Erlebnissen renoviert und drei Ferienwohnungen sowie unsere eigene Wohnung geschaffen. 

 

Unser Haus wurde erstmalig 1776 in einem alten Kaufvertrag urkundlich erwähnt. Hier wurde von den Gutsherrn von der Lancken das Haus Cumpertinentus, das damals von dem Schlachter Ermelin bewohnt wurde, an den freyen Schuster Alwert verkauft.

 

Der Schuster Alwert musste jedoch, obwohl er kein Leibeigener mehr war, seinen ehemaligen Dienstherren bei Bedarf die Schuhe oder die Krempstevel  (das sind Stiefel für Soldaten oder Fischer, die bis übers Knie gehen und “gekrempelt” werden) herstellen und reparieren und auch auf dem Feld und Straßenbau wenn nötig behilflich sein. So sicherte sich der Gutsherr zum Kaufzins auch noch die Arbeitskraft der "freyen" Bürger nach Lust und Laune.

 

Eine Kate bestand nur aus einem größeren Wohnschlafraum und einem Raum für die Tiere und das ausgeübte Handwerk. Die Wände waren Fachwerkkonstruktionen, die auf Feldsteinen standen. Die Zwischenräume des Fachwerkes wurden mit Lehmstaken und Lehmputz ausgefüllt. Auch die Zimmerdecke wurde mit Lehmstaken gefüllt und mit Lehm verputzt. Die Lehmstaken wurden im Ort an der Lehmgrube hergestellt: Man nahm gutes, schwer brennbares Eichenholz, behaute es zu längeren Staken und umwickelte diese mit Stroh und Lehm. Man erhielt dadurch eine hohe Wärme- und Kälteisolierung.

Die Dächer waren mit Rohr gedeckt, das ebenfalls sehr isolierend wirkt. Unter dem Dachstuhl befand sich ein Heuboden. Gut gefüllt hielt er im Winter ebenfalls warm. Die Häuser waren sehr niedrig, hatten wenige und sehr kleine Fenster und man konnte kaum darin stehen.

Im Wohnraum befand sich eine Kochstelle die mit Holz beheizt wurde. Der Rauch des Feuers zog einfach durch die Balken ab und suchte sich seinen Weg aus dem Rohrdach. Die Balken wurden durch das offene Feuer vom Ruß geschwärzt und dadurch noch haltbarer gemacht. Die Böden bestanden aus gestampftem Lehm oder Lehmziegeln die einfach in die Erde gelegt wurden.

 

In der Alten Schusterei wurde auch unter wechselnden Besitzern bis zum Jahre 1994 das Handwerk der Schusterei ausgeübt und die alte Kate für die jeweiligen Bedürfnisse der Einwohner aus- und umgebaut.

 

Im vorderen Hausflur sind auf einer alten Schusternähmaschine aus der Zeit um 1890/1900 mittelalterliche Schuhe und etliches Schusterwerkzeug ausgestellt.

Auch eine alte Schulbank mit Schiefertafel, wie es anno dazumal in einer Schule üblich war, kann dort besichtigt werden.

 

In der ehemaligen Werkstatt der "Schusterei" befindet sich zur Zeit ein Spinn- und Webzimmer.

Dort wird heute noch das Handwerk der Handspinnerei ausgeübt. Das fertige Garn verstrickt und verwebt oder verhäkelt. Ich verspinne auch Wolle von Schafen der Insel Rügen. Im Haus findet auch regelmäßig das Treffen des Spinnkreises Wittower Spinnradl statt.

 

Die “Chronik eines Inseldorfes” Wiek/Rügen von Günter Käning verzeichnet den Kaufvertrag unseres Hauses aus dem Jahre 1776 und erzählt viel Interessantes und Wissenswertes über Wiek, die Einwohner des Dorfes, die Katen und Gehöfte und das ehemalige Handwerk im Dorf.