Landstreicher

 

Ein bunter Landstreicher sitzt dort im Gras,

einen Apfel schmaust er sich aus der Hand.

Ich erzähl euch von dem Gesellen was,

curryrot, safrangelb, dunkelgrün sein Gewand.

 

Drauf hat er sich rubinrote Blätter genäht

und tausend Täschchen angebunden,

drin schlafen die Samen die er sät,

um seine Stirn hat er hellgrünen Hopfen gewunden.

 

Am Gürtel klappern braun und zart,

Schellen aus Eckern, Maronen und Eicheln,

dazwischen Walnussschalen hart,

wie ein Tambourin klingt es ein Weilchen.

 

Daneben Kürbisse, sonnengelb mit Gewicht,

drauf sitzen drei zarte Kinder,

gestatten: Herbstwind, Herbstnebel, Herbstlicht,

wir spielen hier bis zum bitteren Winter.

 

Lange Schnüre halten sie fest, dran bunte Drachen zappeln,

die wollen hoch fliegen unterm kaltblauen Himmel,

frei über die schwarzen Raschelpappeln,

an langen Schwänzen aus Papier, kleine Glöckchen bimmeln.

 

Der Geselle lächelt und kramt, eine goldende Flöte sich her,

drauf pfeift und tönt er eigen, bläst wie ein Narr und singt,

sanft scheucht er die Vögel übers Meer,

im Herbstlicht tanzen die Kinder Reigen,

mit Nebelschleiern sacht im Wind.

 

 

© Michaela Seliga, Wiek, 21.09.2017

 

 

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