Einmal

Finde ich einmal den Baum des Lebens

 

wie nur ich ihn finden kann?

Viele meiner Wege waren vergebens

und ich such ihn schon so lang

 

Oft hab ich nur seine Blätter gefunden,

hab sie bewundert und mich danach gebückt

und hab sie in meine Haare gebunden

und sie zwischen Seiten gedrückt

 

Dann trat ich auf seine gebrochenen Äste

und hab mich schwer auf sie gestützt

da nahm ich sie mit zum Feuer für Gäste

und hab daraus eine Rassel geschnitzt

 

Und als ich mal seine Wurzeln fand

da konnt auf der Stelle nichts schöner sein

und ich legte mich dort in den Sand

und sang mich mit einem Schlaflied ein

 

Einmal fand ich auch seine Rinde,

da machte ich mir ein Schiffchen draus

und hoffte, dass sich die Liebe einfände

und schickte es weit auf´s Meer hinaus

 

Ich hörte auch den Sturm in den Zweigen

jammern und weinen wie ein Kind,

es klang ganz wie verstimmte Saiten

wie Lieder die im Werden sind.

 

Einmal finde ich meinen Baum,

wenn ich fertig bin mit dem ewigen Sein,

dann finde ich unter ihm meinen Raum,

brauch nicht mehr zu suchen, bin ja dort daheim.

 

 

 

 

©Michaela Seliga 28.07.15 für den "Baum des Lebens" von Marcel Gudath

Kommentar schreiben

Kommentare: 0